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Verlag Christoph Dohr Köln

aktualisiert
Montag, 02.01.2017 9:26

Dichterin

Johanna Zaeske-Fell

 

Vita

Die Halbinsel Darß in der Ostsee, nicht weit von Rügen, eine urwüchsige, ja wilde Landschaft, war die Heimat von Johanna Zaeske. 1894 in der Kleinstadt Barth am Bodden geboren, verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend in den Wildnissen zwischen Wasser und Wald, sehr oft allein, denn als Jüngste von acht Kindern trennten sie sieben Jahre von ihrem nächst älteren Bruder. Diese Kindheit, diese Landschaft, in die sie bis 1946 fast jedes Jahr einmal zurückkehrte, prägten sie, blieben das Leitmotiv ihres Lebens.
Fragen, die vielleicht schon dem Kind im bürgerlichen Elternhaus der Jahrhundertwende nicht beantwortet wurden, stellte sie der Natur, den Blumen, den Bäumen, dem Meer. Und sie begnügte sich mit der Antwort des Geheimnisses, des Schweigens. "So fragt das Herz. So schweig der Mund." Sie gewann einen Maßstab des ganz Großen und der kleinsten Dinge, ordnete sich ein und unter, und war bei aller geistigen Selbständigkeit, bei allem Eigenwillen, von einer tiefen Bescheidenheit. Man kann es Religiosität nennen. Dieses "sich aufgehoben fühlen" im Sinn des Werdens und Vergehens gab ihr die Geduld, alle Menschen, die mit ihr zu tun hatten, besonders ihre Kinder, in eine dichte Atmosphäre der Geborgenheit zu hüllen, und in späteren Jahren auch die Kraft, Leid und Tod und Trauer nicht als Herausforderung zu empfinden, nicht dagegen aufzubegehren, sondern es zu begraben, wie ein Samenkorn, die Geduld des Herzens. "Und wüssten wir alles und nicht im Spiel, es wäre uns viel zu schwer."

Ein Schlüssel zu ihrem Wesen mag auch das in den Gedichten immer wiederkehrende Wort "Traum“ sein. Sie war kein intellektueller Mensch, d.h. sie vertraute nicht nur ihrer eigenen Klugheit und Einsicht, sondern sie hörte auch immer auf ihre innere Stimme. Insofern war sie vielleicht ein komplexerer Mensch, als wir heutigen es sind und auf ihre ganz eigene Art heil und unzerstörbar.

Zwanzigjährig ging sie nach Berlin, um Kunst und Musik zu studieren. Nach dem Ersten Weltkrieg, während sie in Greifswald als Kunst- und Musiklehrerin arbeitete, wandte sie sich der Wandervogelbewegung zu, die für sie sowohl die Überwindung der bürgerlichen Normen ihres Elternhauses bedeutete, als auch wieder das intensive Erleben das Natur mit ihren Freunden zusammen.

1925 heiratete sie den Aachener Dr. Alo Fell und lebte fortan eigentlich in der Fremde. Sie ist hier nie richtig heimisch geworden. In den 30er Jahren besuchte sie am Außen-Institut der TH Aachen die poetologischen Vorlesungen des jüdischen Dichters Ludwig Strauß, mit dem sie bis zu seinem Tode (1947) eine starke Freundschaft verband. Er hat vielleicht, neben Rilke und Verlaine (den sie übersetzt hat), den größten Einfluss auf ihr schriftstellerisches Arbeiten gehabt. Sie veröffentlichte zahlreiche Lyrikbände, drei Prosabände und ein Drama.
Die in Johann Lütters Liedzyklus "Die weiße Barke" vertonten Gedichte sind dem 1948 erschienenen gleichnamigen Lyrikband entnommen, Gedichte, die z.T. viel früher entstanden sind, in den 1930er- und frühen 1940er-Jahren. Johanna Zaeske-Fell starb 1969 in Aachen. (Ute Zaeske)

Einige Gedichte von Johanna Zaeske-Fell wurden von Johann Lütter (1913-1992) vertont und sind in der Edition Dohr erschienen.

 

 


Vertonungen in der Edition Dohr

Johann Lütter

Liederzyklus
für hohe (mittlere) Stimme und Klavier

M-2020-1316-8
EURO 19,80

Johann Lütter

Die weiße Barke
Liederzyklus für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Klavier

Partitur, zgl. Chorpartitur

M-2020-0749-5
EURO 49,80; ab 25 Expl. je EURO 19,80

Johann Lütter

Die weiße Barke
Liederzyklus für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Streichquartett

Partitur
M-2020-1469-1
EURO 44,80

Stimmenset
M-2020-2413-3
EURO 49,80

Johann Lütter

Zwei Chorlieder
für gemischten Chor und Klavier

Partitur, zgl. Chorpartitur

M-2020-1324-3 EURO 9,80


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