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Verlag Christoph Dohr Köln

aktualisiert
Montag, 02.01.2017 9:26

Komponist

Hans Gebhard-Elsaß

Hans Gebhard-Elsaß
 

Vita

Der Komponist und Musikpädagoge Hans Gebhard bzw. Gebhard-Elsaß (wie er sich später zur Unterscheidung von einem ebenfalls komponierenden jüngeren Namensvetter nannte) wurde am 26. September 1882 als Sohn eines Landgerichtsdirektors und einer Pianistin in Mülhausen im Elsaß geboren. Er studierte an den Konservatorien bzw. Musikhochschulen in Straßburg, Frankfurt am Main und Berlin mit den Schwerpunkten Violoncello und Komposition. Am Hochschen Konservatorium in Frankfurt wurde er von den Cellisten Hugo Becker und Johannes Hegar sowie dem Pianisten Lazzaro Uzielli
ausgebildet.

Von 1904 bis 1907 setzte er seine bei Iwan Knorr am Frankfurter Konservatorium begonnenen Kompositionsstudien bei Robert Kahn an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin fort. Nach mehreren Jahren als freischaffender Musiklehrer in Berlin-Wannsee wurde er 1913 von dem Schweizer Musikpädagogen und Komponisten Emile Jaques-Dalcroze als Improvisationslehrer an die von diesem 1911 gegründete "Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus" nach Hellerau bei Dresden berufen. Von Jaques-Dalcrozes bahnbrechender Methode der "Rhythmischen Gymnastik" - einer Verbindung von Körperbewegung und Rhythmuslehre, mit besonderer Berücksichtigung der Polyrhythmik der neueren Musik - empfing Gebhard für seine eigene kompositorische und pädagogische Arbeit wesentliche Anregungen (zu denken ist etwa an die oftmalige Verwendung von fünf- oder siebenzähligen Takten; vgl. Jaques-Dalcrozes "temps inégaux"). Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dieser Methode, teilweise aber auch in Abgrenzung von ihr, entwickelte er bald eine eigenständige Unterrichtsform, die "Einheitliche Musiklehre".
Diese ganzheitlich ausgerichtete, auch den körperlichen Aspekt der Musikausübung einbeziehende Unterrichtsweise ist bestimmt durch die Kombination von Gehörbildung, Musiktheorie und Improvisation und wurde von Gebhard mit Kindern und Erwachsenen im Einzel- wie im Gruppenunterricht erfolgreich praktiziert. Nach der vorübergehenden Schließung des Hellerauer Instituts im Kriegsjahr 1914 blieb Gebhard noch bis 1918 in selbständiger Stellung in Hellerau. Danach unterrichtete er in München und ab 1941 in Marburg an der Lahn, wo er kurz nach der Vollendung seines 65. Lebensjahres am 4. Oktober 1947 starb.

Das zum größten Teil unveröffentlichte kompositorische Werk Gebhards umfaßt Klavier-, Klammer- und Vokalmusik (mit der Liedkomposition als Schwerpunkt).
Es ist bezeichnend für Gebhards kritische Haltung seinem Schaffen gegenüber, daß er die großbesetzten musikalischen Gattungen mied; nur einmal, mit der umfangreichen siebensätzigen Kantate Wer du auch seist auf Dichtungen des von ihm hochgeschätzten Rainer Maria Rilke für sechsstimmigen Chor, Solo-Bariton und großes Orchester (1925-1932), verwirklichte er sinfonische Dimensionen. Seine anfangs noch in einer gewissen Brahms-Nähe stehende, dann zunehmend individuellere Stilmerkmale ausprägende, stets tonale Musik ist in ihrer jedem Effekt abgeneigten Grundhaltung nicht selten von kantiger Linienführung und herbem Ausdruck bestimmt, denen gegenüber die lyrisch-kantablen Momente um so stärker hervortreten.

© Herbert Lölkes

 

 


Titel in der Edition Dohr

Drei sechsstimmige Chöre (1911/1912)
a cappella

auf Texte von Hans Dupré und Joseph von Eichendorff

hrsg. von Herbert Lölkes

Partitur, zgl. Chorpartitur

M-2020-0517-0
EURO 9,80; ab 15 Expl. je EURO 4,80; ab 25 Expl. je EURO 3,80)

Violinsonate B-Dur (1921)

hrsg. von Herbert Lölkes

Partitur und Stimme

M-2020-0318-3
EURO 16,80


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