
Wilms, Johann Wilhelm
1772–1847
22 Titel im Verlag Dohr
Leben und Werk
1772 als Sohn des lutherischen Schulmeisters und Organisten im rheinisch-bergischen Kirchdorf Witzhelden geboren und dort am 30. März getauft, erhielt Johann Wilhelm Wilms seine musikalische Ausbildung zunächst durch den Vater, dann von einem älteren Bruder und dem Pfarrer der Neunhundertseelengemeinde. Die Flöte und vor allem das Klavier waren seine bevorzugten Instrumente, und früh schon - so ließ er einen Biographen später wissen - hat er damit begonnen, seine "Gedanken in mehrstimmigen Musikstücken zu Papier zu bringen." Nach Aufenthalten als privater Musiklehrer in Lüttringhausen und Elberfeld übersiedelte Wilms 1791 in die Musikmetropole im Nordwesten des Kontinents, nach Amsterdam. Hier nahm er Unterricht bei Georg Casper Hodermann und erwarb sich in einflussreichen Salons der Stadt rasch den Ruf eines außergewöhnlichen Klaviervirtuosen und unerhörten Improvisators. Mit Aufführungen eigener Konzerte und solcher von Dussek, Mozart, Steibelt und Sterkel festigte er sogleich seinen Ruhm auch Amsterdams führender Klaviersolist zu sein. Ab 1793 erschienen Druckausgaben seiner Kompositionen, und nun kam neben dem Pianisten auch der Tonsetzer Wilms als Lehrer in Mode. 1796 gründete Wilms mit fünf anderen jungen Berufsmusikern ein sich selbst verwaltendes Orchester, das Collège Eruditio Musica - die revolutionäre und überaus erfolgreiche Alternative zum herkömmlichen Konzertwesen in Amsterdam. Eine diesem Ensemble gewidmete Symphonie, sein opus 9 in C-Dur, brachte ihm schlagartig internationale Anerkennung. Wachsendem Interesse an Neuerscheinungen von ihm konnte Wilms nur bedingt entsprechen, weil die den Unterhalt seiner Familie sichernden Verpflichtungen als Privatmusiklehrer wie als Flötist das Komponieren größerer Werke auf die orchester- und unterrichtsfreien Sommermonate beschränkten. So warfen denn Verleger bisher ungedrucktes Frühwerk - zum Teil mit zu hohen, Aktualität suggerierenden Opuszahlen versehen - auf den Markt und lösten dadurch Irritationen aus. Wilms' Berufung in die gerade erst gegründete Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste zu Amsterdam (1808), der alles überbietende Erfolg seiner Wilhelmus-Variationen für Orchester (1813ff.) und endlich der Doppelsieg im Wettbewerb um eine Nationalhymne (1817) bescherten dem Komponisten im Inland enormen Zuwachs an Popularität - ein Geschenk von höchst zweifelhaftem Wert, da ihm nun noch mehr zeitraubende Ehrenämter und mäßig bezahlte Gelegenheitskompositionen angetragen wurden; sie beschlagnahmten jetzt auch den Rest jenes spärlichen Freiraums, den seine Tätigkeiten als Flötist, Pianist, Klavier- und Kompositionslehrer ihm in früheren Jahren noch für freies Komponieren übriggelassen hatten. So wurde es um "einen der geistreichsten, lebhaftesten und ausgebildetsten Künstler" (AmZ 1807) im Ausland allmählich stiller. Seine Situation war ihm schmerzhaft klar: "Ich bin nur ein armer musikalischer Taglöhner", gestand er im Herbst 1823 dem in Amsterdam gastierenden Johann Nepomuk Hummel. Auch ein erster Preis der Société Royal des Beaux-Arts in Gent für seine nach langer Pause entstandene sechste Symphonie in d-Moll (1820) hatte daran nichts ändern können. Nach dem frühen Tod seiner Frau (1821) organisierte Wilms den schrittweisen Ausstieg aus dem öffentlichen Konzertbetrieb - nicht aber aus all den anderen alten, zeitraubenden Verantwortlichkeiten. Neue Verpflichtungen kamen hinzu: 1823 trat er die Organistenstelle bei der Mennonitischen Gemeinde "Het Lam" an; zwischen 1824 und 1838 übernahm er ein- bis zweimal pro Jahr die Komposition großangelegter Festkantaten, und seit 1829 rechnete auch die Gesellschaft Toonkunst mit ihm als jederzeit verfügbarem Gutachter. Durch ständigen Einsatz für das Bessere in der Kunst tief in die Verwaltung des Mäßigen verstrickt, fand Wilms mit Beginn der 1830er Jahre dennoch Kraft und Zeit für ein erstaunlich eigenwilliges Spätwerk: außer einer Konzert-Ouvertüre in E-Dur, drei Orchesterliedern und seinem zweiten Flötenkonzert, dem Concertino g-Moll, schrieb Wilms nun auch wieder - nach mehr als zehnjähriger Pause - eine Symphonie, die siebte und letzte, seine zweite in c-Moll. Ernst A. Klusen
Werke in der Edition Dohr


















